Bauchgefühl

Bauchgefühl

Ich bin: Bianka (40), Mutter von 1 Kind

Wie viel Zeit ist vergangen zwischen der Entscheidung fürs Kind und der Geburt:
fast 5 Jahre

Was habe ich erlebt:
3 Fehlgeburten vor der 12. Woche
Ich war immer sehr sportlich, lief seit 2001 Marathon, und arbeitete sehr gerne. Nach meiner Hochzeit im Juli 2009 haben wir nicht mehr verhütet. In der Zeit arbeitete mein Mann fast 400 km entfernt. (Hamburg – Halle/Saale).  Ich war erstaunt, wie präsent mir mein Zyklus war und dass ich doch immer etwas darauf achtete wann vielleicht der passende Zeitpunkt ist. Nicht leicht, wenn man sich nur am Wochenende sieht.

Irgendwann haben wir die Fernbeziehung nicht mehr gewollt.
Im November 2010 kam mein Mann dann zurück nach Hamburg, ohne einen neuen Job zu haben. Unsere Beziehung bzw. unsere Zukunft war uns wichtiger und mein Job fing das auf. Gleichzeitig fühlte ich mich dennoch verantwortlich und es war schwer gelassen zu bleiben. Als ich nach anderthalb Jahren noch nicht schwanger war, ging ich das erste Mal zu einer Heilpraktikerin. Im Januar 2011 verzögerte sich meine Regel. Der erste Schwangerschaftstest am Abend war negativ, einen Tag später lag mir morgens das positive Ergebnis vor. Wir haben uns sehr gefreut und gleichzeitig kamen mir Zweifel, wie es nur mit meinem Einkommen funktionieren soll.

Ich war wieder im Marathontraining und musste eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt machen lassen. Da es immer heißt, man soll erstmal alles so weiter machen. Auch beruflich und privat machte ich weiter wie bisher mit Marathontraining, viel Arbeit und natürlich wollte ich erst von der Schwangerschaft erzählen, wenn die ersten 3 Monate rum waren. Mein Bauchgefühl sagte etwas anders. Aber es ist einfach es zu ignorieren und so schonte ich mich nicht.

Anfang Februar war der Termin bei meiner Frauenärztin. „Man müsste mehr sehen“, war die Aussage und wir sollten eine Woche später wieder kommen. Es war eine Woche voller Unsicherheit.

Leider bestätigte sich, dass die Fruchthöhle deformiert war. Es war für mich nicht greifbar und die Gefühle waren eingefroren. Ich hatte Glück im Unglück, dass in meiner Praxis 1x pro Woche Absaugungen statt fanden. Klein und „familär“. Im Job verschob ich Termine auf den nächsten Tag und wurde in der Praxis erstmal aufgeklärt, dass ich den nächsten Tag schön zu Hause bleiben sollte. Es tat so gut meinen Mann an meiner Seite zu haben. Bis auf wenige Freundinnen erzählte ich es kaum jemandem und machte weiter wie vorher.

Im März ging ich zu meiner Hausärztin/Homöophatin und zur Heilpraktikerin, um meinen Körper zu unterstützen. Meine Seele brauchte allerdings länger…

Im Juli trat mein Mann einen neuen Job an und da fiel zumindest eine Sorge von uns. Die Zyklen waren weiter präsent und regelmäßig und ich ging weiter zur Heilpraktikerin. Mit dem Laufen hört ich auf und verfolgte stattdessen Entspannungstechniken und ging zum Schwimmen.

Im September gab mir eine Freundin das Buch „Gelassen durch die Kinderwunschzeit“. Sie hatte es wiederum von einer Freundin, die eine Fehlgeburt hatte und der, das Buch half. Ich weiß noch, wie unsicher meine Freundin war, mir dies zu geben, weil es ein sensibles Thema ist. Ich fand es lieb von ihr, auch wenn ich wenig erwartete.  Und doch gaben mir die Inhalte neue Hoffnung und ein neues Vertrauen.

Im Dezember probierte ich eine Fruchtbarkeitsmassage aus, diese hatte ich aus dem Buch und war neugierig. Meine Homöophatin und Heilpraktikerin begleiteten mich immer.

Ende Januar 2012 hielt ich mit Freuden den positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Wir haben uns so gefreut und schon über das Kinderzimmer geredet. In der Firma war es wie so oft stressig und eine andere Kollegin gab ihre Schwangerschaft bekannt. Beim Frauenarzt nahmen wir nach der ersten Bestätigung extra einen etwas späteren Termin.

Wieder verfolgte ich die Aussagen „erstmal so weiter machen wie vorher“ und „die ersten 3 Monate nichts erzählen“ und ignorierte wieder mein Bauchgefühl.

Der zweite Termin zeigte keinen Herzschlag und ich konnte die Absaugung einen Tag später wieder in der Praxis machen lassen. Bis auf wenige Freundinnen und meiner Familie erzählte ich es wieder niemandem und tat als wenn nichts wäre. Diesmal sammelte sich Blut in meiner Gebärmutter. Dadurch brauchte mein Körper diesmal länger sich zu erholen. Meine Seele brauchte noch länger… und doch machte ich einfach weiter wie vorher.

Zusätzlich machten wir einen Termin im Hormonzentrum, um sicher zu gehen, dass dem Kinderwunsch keine körperlichen Einschränkungen vorliegen. Das Ergebnis war wie gedacht: Wir sind gesund und normalerweise steht dem Kinderwunsch nichts im Wege.

Daher sahen wir auch keinen Bedarf für andere Maßnahmen z.B. Kinderwunschklinik.
Ich ging weiter zur Homöopathie (Hausärztin), Heilpraktikerin und nach einiger Zeit erneut zur Fruchtbarkeitsmassage. Die Heilpraktikerin empfahl mir eine Osteophatin. So ging ich ab Mai 2012 dort hin.

Im August 2012 war ich wieder schwanger und so voller Freude. Diesmal waren im ersten Ultraschall sogar  2 Fruchthöhlen zu erkennen und ich erzählte es meinen engsten Freundinnen. Im Job machte ich allerdings wieder auf meinem hohen Level weiter. Es fiel mir schwer, nicht über die Schwangerschaft zu reden. Wie davor: „Weiter machen wie vorher“ und „abwarten“. Mein Bauchgefühl sagte aber wieder etwas anderes.

Beim zweiten Termin sahen wir nur noch eine Fruchthöhle und leider kein Herzschlag. Wieder eine Woche warten. Leider war auch das eine Fehlgeburt und diesmal musste ich in Krankenhaus, weil eine weitere Woche zu lang gewesen wäre.

Das Erlebnis war für mich einschneidend. Langes Warten, langes Procedere, kaum Infos und in mir brannte sich das Versprechen ein: „Ich verspreche ALLES zu tun, damit es nicht nochmal vor kommt.“ Wir waren unendlich traurig.

Ich habe mir mehr Zeit zugestanden, ließ mich krank schreiben und wurde diese unendliche Traurigkeit nicht los. Der Alltag begann und fühlte sich verkehrt an. Mein engstes Umfeld hatte Tränen in den Augen und fühlte mit.

Ich wollte nur diese Traurigkeit durchbrechen und eine Ärztin gab mir eine Liste mit Psychologen/Innen. Einmal hörte ich, dies sei über Monate normal, ein anderes Mal fühlte ich mich nicht gut aufgehoben. Nummer Drei passte. Es ging ziemlich schnell um mich als Ganzes und nicht nur den Kinderwunsch. Ich heulte, nichts ging mir schnell genug und vieles wollte ich nicht hören, weil es schwer war einzusehen bzw. zu ändern. Aber ich hielt durch und nach und nach ging es mir besser.

Einige Passagen aus dem Buch “Gelassen durch die Kinderwunschzeit” las ich wieder und ging weiter zur Osteophatin. Bei allem nahm ich mir den Druck raus und „räumte“ mein Leben ein wenig auf. Wir überlegten uns, was wir „ohne Kind“ wollen würden, gewannen unser „verliebtes Paar-sein“ zurück und machten Pläne. Gleichzeitig war der Zyklus regelmäßig wie nie und wir legten es drauf an.

Im Oktober 2013 hielt ich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen und es war so ein unglaublich schönes Gefühl. In der Firma war es wieder stressig. Mein Versprechen „alles zu tun“ wollte ich einhalten und auch nicht vor der 8./9. Woche zur Frauenärztin gehen. Ich ging zu meiner Hausärztin und fragte verunsichert, ob sie mich krank schreiben würde. Sie strahlte und wollte mir helfen, wo sie konnte. Ich weinte vor Erleichterung. In der Firma gab ich es sofort bekannt und fühlte mich unendlich befreit. Im November hatte ich dann einen Termin bei einer Vertretung meiner Frauenärztin und beim Nachfragen für eine Freistellung bekam ich nur Unverständnis. Ich ließ mich weiter krank schreiben. Der nächste Termin war bei meiner Frauenärztin und sie machte es sofort.

Ich genoss die Zeit und es war eine schöne Schwangerschaft. Auch heute würde ich alles für meine Tochter tun – sie wurde im Sommer 2014 geboren. Ab jetzt höre ich auf mein Bauchgefühl.

Wie hast ich mich in dieser Zeit gefühlt: Wie ein Marathonläufer, der nicht weiß, wie lang die Strecke ist. Machtlos und ängstlich, nichts kontrollieren zu können. Ich fühlte mich wie Superwoman, die nicht mehr kann und doch muss.

Was hat mir geholfen: Das Bauchgefühl und Annehmen, dass andere für mich da sind. Menschen, die mir halfen, denen ich am Herzen lag (angefangen von meinem Mann über ein Netz von Freunden und Ärzten).

 Was möchte ich anderen Frauen sagen: Vertraut Euch und Eurem Bauchgefühl. Es ist alles richtig und ok, wie es für einen selbst am Besten ist. Gebt nie die Hoffnung auf, entwickelt ein Urvertrauen in Euch selbst und nehmt Hilfe an. Sie kann unglaublich stützen und stärken.

Die Kommentare sind geschloßen.