Was passieren soll, passiert

Was passieren soll, passiert

Ich bin: Susanne (36 Jahre), Mutter von 2 Kindern

Wie viel Zeit ist vergangen zwischen der Entscheidung fürs Kind und der Geburt:
2 Jahre

Was habe ich erlebt:
1 Fehlgeburt vor der 12. Woche
Ich glaube, wir haben im Dezember 2007 beschlossen, dass wir eine Familie gründen wollen. Die Zeit ist aufregend, denn irgendwie hofft man doch (wider besseren Wissens), dass es sofort klappt. Ich wurde bereits nach dem zweiten “unschwangeren” Monat nervös und hatte durchaus auch Gedanken wie “…kann ich vielleicht gar nicht schwanger werden…”
und “…was mache ich dann…”Aber diese Gedanken machte ich nur mit mir aus.  Ich rechnete hier und da, versuchte ob bewusst oder unbewusst den richtigen Zeitpunkt zu wählen. Da man das ja nie genau weiss, ist das eine sehr produktive und spaßige Zeit.
Im Juni/Juli 2008 war es soweit- meine Regel blieb aus. Schneller Schwangerschaftstest- jippiiii
Jetzt ist ja alles in Butter… aufatmen, dachte ich. Schnell habe ich einen Termin bei meiner Frauenärztin gemacht, schließlich wurde ich nun Mama, wir werden Eltern. Wie aufregend!
Der Termin war dann Mitte Juli. Ich hatte mit Gewissheit der Schwangerschaft überhaupt kein ungutes Gefühl oder Angst, das nicht alles gut sein würde. Aber bei der ersten Untersuchung, gab mir meine Ärztin ziemlich schnell zu verstehen, dass sie keinen Herzschlag sieht, dies jedoch der Fall sein müsste.
Komisches Gefühl… – ich glaube sie hat mehrmals betont, dass dies durchaus “normal” ist, und sehr häufig vorkommt.
Aha – das wusste ich nicht und irgendwie half es auch nicht sehr.

Wir machten einen Termin zur  Kontrolle der Gegebenheiten für eine Woche später aus. Dort sollte dann geschaut werden, ob es von allein abgegangen ist. Wie schrecklich das war, worüber redeten wir hier eigentlich?Da ich allein bei dem Termin war, musste ich wirklich überlegen, wie ich es meinem Mann am Telefon sagen soll. Nein, wir werden – zumindest jetzt – keine Eltern, ja, das Klümpchen ist noch da, nein, ich weiß nicht wie ich mich fühle, ich gehe jetzt erstmal arbeiten.

Zu Hause war dann alles sehr komisch. Ich war traurig, aber irgendwie auch rational. Ich wusste gar nicht so recht wie ich mich fühlen sollte. Mein Mann und ich haben auch gar nicht ellenlang und ausführlich darüber gesprochen. Wir haben es einfach so hingenommen. Wir hatten es auch keinem erzählt.

Beim nächsten Termin stellte sich jedoch heraus, das ich ins Krankenhaus muss, da das “Etwas” nicht von allein abgegangen war. Also machten wir einen Termin im Krankenhaus für einen “missed abort”. Diese Bezeichnung werde ich nie mehr vergessen. Manche Dinge brennen sich einfach ein.Während der Vorbesprechung zur Narkose wurde mir mindestens 30 mal gesagt, dass dies absolut nicht ungewöhnlich sei, das nur niemand darüber spricht. Auch wenn mir das nicht half, gab es mir zumindest das Gefühl nicht allein zu sein.

Ich hatte die ganze Zeit eher emotionslos gehandelt, aber als ich in den OP geschoben wurde habe ich ganz plötzlich furchtbar angefangen zu weinen, zu zittern. Die Narkoseschwestern haben versucht mich zu beruhigen. Das war am 8.8.2008 – dieses Datum werde ich nicht vergessen.

Meine Frauenärztin, sie war vom ganz alten Schlag, riet mir zu mindestens 6 Monate Pause zu machen, damit sich mein Körper von dem Eingriff erholen konnte. Aber ich dachte SCHEISS drauf! Was passieren soll passiert.

Im darauffolgenden Monat wurde ich wieder schwanger. Natürlich hatte ich ein mulmiges Gefühl vor dem ersten Arzttermin. Heute weiß ich nicht mehr warum, aber ich ging wieder allein zum Frauenarzt.

Aber ich sah sofort ein kleines Pochern auf dem Ultraschall – eindeutig. Juchu, es war alles in Ordnung. Es gab einen Herzschlag. Ich habe mich so sehr gefreut und bekam das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht.

Ich behielt eine latente Angst die gesamte Schwangerschaft über. Ich weiß nicht, ob das an der Fehlgeburt lag oder weil so viele gesagt haben, dass immer etwas passieren kann.

So richtig sprach ich mit niemanden darüber – auch nicht mit meinem Mann. Für mich war es eher so, wenn man es nicht ausspricht, dann wird es auch nicht wahr…

Wurde es auch nicht! Johanna wurde am 17.6.2009 geboren und bekam am 23.4.2012 einen Bruder Jonathan.

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