Ein furchtbar langer Weg

Ein furchtbar langer Weg

Ich bin:

Tina (37), Mutter von einem Kind

Was habe ich erlebt:

Eine Frühgeburt und eine künstliche Befruchtung

Wie viel Zeit ist vergangen zwischen der Entscheidung für das Kind und der Geburt: 

einige Monate/ 3 Jahre

Meine Geschichte

2012 sollte „unser“ Jahr werden!!! Ich heiratete im Mai meinen Mann Sascha. Kurz vor der Hochzeit erfuhren wir, dass es mit dem Nachwuchs geklappt hatte. Ich war an unserem großen Tag in der 8. SSW und das kleine Herz schlug beim Ultraschall wie verrückt. Das Leben schien perfekt. Wir waren so glücklich! Zumal, da wir erst ein viertel Jahr versucht hatten schwanger zu werden.

Nach einigen Wochen erfuhren wir, dass wir einen kleinen Sohn bekommen würden. Stichtag sollte der 10.01.2013 sein. Doch im 5. Montag bekam ich schon ein Beschäftigungsverbot, da der kleine Mann etwas unterversorgt war und ich mich laut meiner Gynäkologin unbedingt schonen musste. Mein Blutdruck war viel zu hoch und keiner bekam es in den Griff. Diverse Ärzte haben sich daran versucht, doch keiner schaffte es, ihn zu senken… Als ich gerade mal in der 25. SSW war, hatte ich dann eine Plazentaablösung. Das war mir zum dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst. Ich würde wach, weil ich dachte, dass ich in die Hose gepullert hatte… Auf dem Weg zum Klo musste ich leider feststellen, dass alles, was aus mir nur so raus lief Blut war… Blutsturz wäre wahrscheinlich eher das richtige Wort!

Unter Tränen suchte ich das Telefon. Ich rief meinen Mann an, der gerade auf Arbeit angekommen war und er kam sofort nach Hause.
Der 25.09.2012 sollte ein Tag werden, den wir wohl nie mehr vergessen sollten…

Wir rasten in die Klinik, sofort würde ich untersucht und keine 10 Minuten später musste ein Notkaiserschnitt durchgeführt werden. Um 9.06 Uhr erblickte unser kleiner Maximilian das Licht der Welt. Gerade mal 480g brachte er auf die Waage. Das war natürlich viel zu wenig. Aber wir hatten einen kleinen Kämpfer. Nach 10 Tagen musste er am Darm operiert werden und wurde deshalb von Flensburg nach Lübeck verlegt. Für uns brach eine Welt zusammen. So ein kleiner Mensch musste schon so viel aushalten. Die OP hatte er gut überstanden. Er bekam einen künstlichen Darmausgang. Er nahm langsam an Gewicht zu und wurde immer mehr Baby. Wir waren so unendlich stolz auf ihn, was er alles geschafft hatte. Leider gab es sehr massive Hochs und Tiefs. Es folgten 7 weitere OP’s, bis er am 5. März 2013 für immer zu den Engeln flog.

Ab jetzt stand die Zeit still. Unser größtes Geschenk wurde uns wieder genommen. Oft wurde ich gefragt, wie man mit so einem Schmerz und großen Verlust klar kommen kann – schwer! Zumal wenn man dann jahrelang ohne Erfolg versucht wieder schwanger zu werden und 1000 Leute fragen: „Aber ihr versucht es doch wieder, oder?“ Was haben wir diese Frage gehasst! Wenn die wüssten, dachten wir immer.

Nur ein Jahr bei der Selbsthilfegruppe „verwaiste Eltern“ und Psychotherapie konnten uns helfen wieder zu leben. Es war alles anders, vieles hat man jetzt mit ganz anderen Augen gesehen.

Mittlerweile hatten wir 2015. Ich war immer noch nicht schwanger! Der Wunsch war jedoch zu groß, dass wir ihn hätten ablegen können. Freundinnen wurden schwanger… eine nach der anderen… es tat so weh!

Also beschlossen wir uns helfen zu lassen. Wir fuhren nach Hamburg und schon im nächsten Zyklus wollten wir mit einer ICSI (künstliche Befruchtung) starten. Die Hormone spielten verrückt, die Nerven wurden strapaziert, aber nach zwei Wochen kam der erlösende Anruf: Sie sind schwanger!!!

Ich war diesmal sofort im Beschäftigungsverbot und wurde als Risikoschwangerschaft eingestuft. Ich dachte, wenn dieser Tag kommt, steigen die Ängste, dass sich irgendwas wiederholen könnte, aber was soll ich sagen, ich habe jeden einzelnen Tag genossen. Ich war die Ruhe selbst. Nach ein paar Wochen erfuhren wir, dass es diesmal ein kleines Mädchen wird.

Überglücklich fieberten wir dem Tag bis zum Kennenlernen entgegen. Im Gegensatz zu ihrem Bruder war sie stets bei den Untersuchungen an der obersten Grenze mit ihrem Gewicht. Aufgrund dessen wurde u. a. auch ein Kaiserschnitt geplant. Mein Blutdruck war zwar mittlerweile sehr gut eingestellt, aber man hätte Sorge, dass dieser unter einer normalen Geburt durch die Schmerzen zu sehr steigen könnte und man wollte natürlich kein Risiko eingehen.

Am 19.10.2015 war ich genau in der 38. SSW. Gefühlt kurz vorm platzen, als unsere kleine Enna Sophie ganz ruhig und gemütlich per Kaiserschnitt auf die Welt kam. Mit einem stolzen Gewicht von 4.390g und 56cm Länge zeigte sie uns, dass es auch anders geht! Seit dem Enna da ist, hat sich unser Leben so sehr verändert. Wir sind wieder richtig glücklich, genießen jeden Tag mit ihr und können oftmals unser Glück kaum fassen! Sie ist ein einziges Wunder!

Was möchte ich anderen Frauen sagen: Gebt also niemals auf… Glaubt an Euch!

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