Das 3. Kind

Das 3. Kind

Ich bin: Sandra (30), Mutter von 3 Kindern

Wie viel Zeit ist vergangen zwischen der Entscheidung fürs Kind und der Geburt:
2,5 Jahre
Vorweg muss ich erwähnen, das bei meinen beiden ersten Kindern, sowohl die Zeugung, als auch die Schwangerschaft völlig problemlos verlaufen sind.

Was habe ich erlebt:
Ein Schwangerschaftsabbruch in der 14. Woche und 3 Ausschabungen vor der 12. Woche
Alles fing an mit dem 1. Geburtstag meines 2. Sohnes. An diesem Tag haben wir uns für ein weiteres Kind entschieden. Da die ersten beiden Schwangerschaften von der Planung bis zur Zeugung ca. 4 Monate gedauert haben, war ich guter Dinge, dass es dieses Mal nicht viel länger dauern würde. Nach ca. einem halben Jahr, fing ich langsam an zu zweifeln, gab mir die Schuld, das ich mich zu sehr auf das Thema versteift hatte.

Jede kommende Monatsblutung warf mich in ein tieferes Loch. Im Sommer haben mein Mann und ich uns ein kinderfreies Wellness Wochenende gegönnt. Es war im September…Sonnenschein und Entspannung pur. Und hier sollte es dann nun endlich, nach fast einem Jahr, passieren…ich war kurze Zeit nach dem Wochenende schwanger und blieb es auch.

Die Vorsorgeuntersuchungen habe ich alle alleine gemacht, den Mutterpass hielt ich schon in den Händen und dann kam der Tag an dem die Nackenfaltenmessung gemacht werden sollte. Der erste Termin, den mein Mann und ich gemeinsam wahrnehmen wollten. Die Kinder waren gut untergebracht und wir voller Euphorie auf den Weg zum Arzt. Es sah anfangs alles bestens aus, bis der Frauenarzt lange am Herz schallte. Mein Mann merkte recht schnell, das etwas nicht stimmte. Ich beruhigte ihn noch.

Doch dann kam das schlimme Erwachen, der Frauenarzt bestätigte, das unser Kind einen schweren Herzfehler hat. Um diese Aussage aber nochmal von einem Facharzt abklären zu lassen, überwies er mich sofort für den nächsten Tag in eine Spezialklinik. Es waren die schlimmsten Stunden in meinem/unseren Leben, die Hoffnung, das der Frauenarzt sich nur verguckt hatte war da, aber auch das Wissen, dass er vom Fach ist und weiß, was er tut und sagt.

Am nächsten Morgen fuhren wir somit zum Facharzt und es waren Minuten des Bangens und Hoffens. Auf dem Ultraschallbild sah man unser Baby (14. Woche) schon mit Daumen im Mund aber es änderte sich nichts, ganz im Gegenteil, der Arzt sprach von dem schlimmsten Herzfehler (HLHS), den es gibt.

Nun mussten wir uns entscheiden, zwischen 4 wöchiger Kontrolle im Herzzentrum in Kiel und Entbindung
(wir wohnen eine Stunde von Hamburg entfernt) oder Abtreibung. Hierzu muss man erläutern, dass die Überlebenschance eines Neugeborenen mit diesem Herzfehler nach der Geburt ca. 65 % beträgt. Um dieses Risiko zu minimieren, hätte es sich innerhalb der ersten Lebenswochen 3 OPs unterziehen müssen und mit der Gefahr lebenslang einen Herzschrittmacher zu ertragen.

Uns fiel die Entscheidung sehr schwer, aber wir haben uns für unsere beiden gesunden Kinder entschieden und dem Familienglück, welches wir bisher hatten, denn dieses hätte auf Dauer darunter gelitten, mal abgesehen von den Kindern.

Ich erholte mich rein körperlich sehr schnell von der Ausschabung, die Psyche hingegen war zertrümmert. Weil es aber so sein sollte, haben wir unseren Wunsch vom 3. Kind nicht aufgegeben und weiter probiert. Nach 3 Zyklen wurde ich auch prompt wieder schwanger. Voller Angst und viel zu schnell (5. Woche) ging ich zum Frauenarzt um dieses bestätigen zu lassen. Leider war außer einer Fruchthöhle noch nichts zu sehen. Also hieß es warten bis zur 8. Woche. Ich kann mich nicht mehr an diese Zeit erinnern, aber es muss der Horror gewesen sein. 3 unendliche lange Wochen des Wartens, am 2. Termin wurde dann seitens des Frauenarzt keine Fruchthöhle mehr erkannt. Da mein Körper aber an der Schwangerschaft festhielt – man nennt dieses „verhaltene Fehlgeburt“ musste ich wieder zur Ausschabung. Schlimm genug schon, den Ablauf dort vor Ort zu kennen aber es half nichts.

Auch dieses, wieder sehr traumatische Erlebnis musste ich schnell verarbeiten – meine Kinder litten ebenso sehr unter dieser Situation (zumindest mein Großer – 10 Jahre alt). Seitens der Familie bekam man dann zu hören, ob es nicht besser sei, es bei zwei Kindern zu belassen. Ich fühlte mich nur noch leer und ertrug es nicht, andere schwangere Frauen zu sehen, etwas darüber zu hören oder zu lesen. Selbst Werbung im TV über Babyprodukte brachte mich innerlich um.

Und dennoch hielten wir an unserem Wunschkind fest. Und es sollte auch diesmal nur 3 Zyklen dauern, bis ich wieder schwanger wurde. Die Angst wuchs immer mehr, dennoch machte ich auch hier den gleichen Fehler und ging viel zu früh zum Frauenarzt. Auch in dieser Schwangerschaft konnte nichts festgestellt werden und wegen den vorherigen Fehlgeburt, hatte mein Frauenarzt mir gleich angeboten, den HCG-Wert zu bestimmen. Gesagt getan und es hieß wieder einmal warten, warten auf das OK des Frauenarzt, dass der HCG-Wert gestiegen ist. Mein Anruf 2 Tage später am Nachmittag sollte belohnt werden und ein Anstieg des Wertes wurde bestätigt, aber um dieses weiter zu kontrollieren, wurde mir eine Woche später nochmal Blut abgenommen. Der Ultraschall an diesem Termin war leider wieder ohne Ergebnis also konnte ich nur auf die Blutwerte hoffen. Der 2. Anruf lies mich dann wieder ins Loch zurück fallen. Der HCG-Wert war nicht mehr angestiegen und der Schwangerschaft entsprechend zu niedrig (8. Woche). Nun war uns auch dieses mal kein Wunsch geschenkt worden.

Durch die ersten beiden Ausschabungen entschied ich mich diesmal, auf einen natürlichen Abgang zu warten. Mein Frauenarzt unterstützte dies und bat mich in 2 Wochen, nach Einsetzten der Blutung, zur Kontrolle vorbei zu kommen. Aber leider passierte in diesen 2 Wochen nichts…mein Körper lies einfach nicht los und somit wurde nach 2 Wochen von meinem Arzt zu einer weiteren Ausschabung geraten, da sich schon viel Blut angesammelt hatte, dass ich eventuell eine Blutinfusion hätte kriegen müssen, sollte es sich doch noch von alleine lösen. Dieses Risiko war uns zu groß und somit fand ich mich wieder unter Vollnarkose zur Ausschabung auf dem OP Tisch wieder.

Nun war ich an einem Punkt angekommen, bei dem ich mir darüber klar werden musste, dass jede weitere Ausschabung meine Gebärmutter vernarben würde. Ich habe mich dann erst einmal damit abgefunden, dass unser 3. Kind leider auf sich warten lassen wollte. Ich begann wieder meinem Hobby nachzugehen, mehr Gedanken an die Arbeit zu verlieren und einfach wieder mehr zu leben.

Nach 4 Monaten war ich wieder schwanger, alles verlief reibungslos und im August kam dann meine süße Tochter zur Welt.

Was hat mir geholfen: Geholfen hat mir das Vertrauen in mich und meinen Körper und ganz viel Ablenkung.

Was möchte ich anderen Frauen sagen: Den Frauen kann ich nur meinen Spruch ans Herz legen „Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende.“

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